Beschreibung der Handschrift

Hans Medick (Göttingen)

Bei der "Handschrift" handelt es sich um einen Kodex von 165 mm x 195 mm x 40 mm Größe mit 236 Blättern oder 472 Seiten. Ursprünglich wurden 29 Lagen zu je acht Blättern gebunden. 45 Blätter wurden später herausgetrennt. Der Kodex wurde in braunes Leder gebunden, die Buchdeckel sind mit dünnen Holzbrettchen verstärkt. Die vorliegende Bindung scheint aus dem 18. Jahrhundert zu stammen.

Die Daten auf Blatt 1r identifizieren Hans Krafft als Schreiber der Haupthand. Darüber hinaus sind zwei bis drei Nebenhände auszumachen. Zwischen dem ersten und dem letzten Eintrag der Haupthand liegen 54 Jahre. In diesen Jahren zwischen 1610 und 1664 dominiert die Haupthand. Die häufigste Nebenhand datiert sich selbst auf 1683 und 1694. Als erste und zweite Nebenhand wurden Mitglieder der engeren Familie Hans Kraffts, seine Söhne Andreas und Jeremias angenommen.[1] Dies deutet darauf hin, dass die Chronik zunächst im Familienbesitz überliefert wurde. Daneben erscheinen noch einige Hände aus dem 18. Jahrhundert, die jedoch auf eine Rechnung und kurze Bemerkungen beschränkt sind. Von den in der Chronik zu findenden Zeichnungen wurde von Jacob vermutet, dass es sich um "ungeschickte Kinderzeichnungen" handeln könnte.[2] Sollte dies zutreffen,[3] dann wäre dies ein zusätzliches Indiz für einen familialen Gebrauch der Chronik.

Die Schrift der Haupthand und der beiden häufigsten Nebenhände kann dem 17. Jahrhundert zugeordnet werden. Duktus und verwendete Schreibweise entsprechen dem damaligen Stil. Bei jüngeren Einträgen erscheint die Tinte dunkler.

Nach der Gliederung der Handschrift kann der Inhalt grob in zwei Teile eingeteilt werden. Den ersten Teil, Blatt 1r bis 12v, füllte Hans Krafft mit biographischen und familiären Informationen. Im zweiten Teil, Blatt 13r bis Ende, finden sich Einträge zu folgenden Themen: Erfurter Politik, Alltag des Dreißigjährigen Krieges, Klima und Wetter, Epidemien, zivile Katastrophen, Bierpreise, Wundererscheinungen, kriminelle und juristische Ereignisse, die jeweilige Ernte sowie Vorfälle aus dem Bereich der Erfurter Führungseliten und der lokalen Geistlichkeit. In der ersten Hälfte des zweiten Teils versuchte Krafft eine inhaltliche Einteilung. Er ließ zwischen den jeweils ersten Einträgen zu den verschiedenen Bereichen Seiten oder Blätter frei, um das Thema später chronologisch zu ergänzen. So folgen ab Blatt 23r nach dem ersten Eintrag über den Erfurter Stadtbrand von 1590 weitere Meldungen über Brände und Feuerkatastrophen bis zum Jahr 1654 auf Blatt 27. Ab Blatt 34v beginnen dann Einträge aus dem Bereich Kriminalität und Justiz, die wiederum chronologisch geordnet sind. Ab Blatt 49r wird über Ereignisse aus dem Bereich Religion und Geistlichkeit berichtet. Haupt- und Nebenhände unterbrechen innerhalb der thematischen Blöcke immer wieder die Chronologie durch Schilderung von Ereignissen aus Epochen vor ihrer Lebenszeit. So finden sich unter anderem Einträge über den Bauernkrieg sowie über Kaiser des Mittelalters, die Erfurt besuchten. Auch zwischen den großen Blöcken finden sich immer wieder Einträge zu verschiedenen Themen. Im Überblick wird deutlich, dass die Schreiber versuchten, die Fakten nach bestimmten Themen zu ordnen, dies jedoch aus Platzmangel nicht durchhalten konnten. Vermutlich wurde die Chronik in einen schon gebundenen Kodex geschrieben. Die Ereignisse wurden gewissermaßen nach "Eingang" verzeichnet und konnten deshalb nur begrenzt Themen chronologisch zugeordnet werden.

Die Größe der jeweiligen Einträge schwankt zwischen zwei Zeilen und einem Blatt. Überwiegend reichte den Schreibern ein halbes Blatt für ein Ereignis. Sprachlich sind die Einträge des zweiten Teils sehr formal gehalten. Zu Beginn wird stets das Datum genannt. Zum Ereignis wurde dann meist mit "So" übergeleitet. Die Verben stehen meist in der dritten Person passiv.

Im ersten Teil, in dem sich Einträge zur Biographie finden, wurde thematisch nach Personen geordnet. Mit der Geburt jedes Kindes und jeder Heirat wurde meist ein neuer Abschnitt begonnen und später Angaben ergänzt, wie Taufe, Krankheiten und gegebenenfalls das Todesdatum mit Art des Todes und einem Segenswunsch.


[1] Hugo Jacob, Ein Erfurter Familienschicksal in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, in: Die Thüringer Sippe 5. 1938, S. 106.

[2] Hugo Jacob, Eine bisher unbekannte Erfurter und Thüringer Chronik aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, in: Das Thüringer Fähnlein 6. 1938 S. 185-187, hier S. 186.

[3] Diese Frage wäre ggf. mit Experten durch Vergleich mit anderen zeitgenössischen Kinderzeichnungen zu klären.