© Mitteldeutsche Selbstzeugnisse der Zeit des Dreißgjährigen Krieges

  Selbstzeugnis von Volckmar Happe, Teil I




Volkmar Happe Teil I, f. 286r
[1632.10]

Drachen Wohnunge ehnlicher als einer Menschen Wohnunge. In Tobias Leubers Hause aufn Marckte neben mir hat der Merode sein Quartier gehabt, welches aus Unachtsamkeit zu brennen angefangen, ist aber Gottlob balde geleschet worden. Darauf ist Merode auf das Rathhaus gezogen und in der untersten Rathstuben sein Quartier genommen, sind die Acta alle zugrunde gangen[1]. Also ist es auch zu Clingen und Weißensee und fast in gantz Thüringen hergangen. Tennstedt ist auch elendiglich etzlichmahl ausgeplündert worden. Eodem die, den 21. Oktober, auch Frankenhausen grausamlich geplündert worden. Eodem die Westerengel von den Soldaten in den Brandt gestecket worden wie auch Otterstedt und Bliederstedt.

[1]Ein übliches Verfahren der Aktenvernichtung durch die Besatzer. Die Wachssiegel wurden abgeschnitten und als Material für Kerzen verwendet. Das Urkundenpapier wurde zum Feuermachen verwendet oder zerschnitten, zum Teil den Pferden untergestreut, gerade weil man wusste, dass die Vernichtung zur Rechtsunsicherheit bzw. zu langwierigen Prozessen führen konnte.