© Mitteldeutsche Selbstzeugnisse der Zeit des Dreißgjährigen Krieges

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  Selbstzeugnis von Caspar Heinrich Marx (Diarium)




Caspar Heinrich Marx (Diarium), f. 8r
[1631.09]

A 1631
Diarium Actorum a tempore cæsi Exercitus Cæsariani 17./7. Septembris Ao 1631[a]
Dieweil den 17. / 7. Septembris 1631, durch Verhengnus Gottes, undt [um] unserer Sünden[willen] die Römisch Kaiserlichen, auch gantzer Catholischer Ligæ Armeen unter dem Commando des Herrn Grafen von Tilly (: wenig[e Soldaten] ausgenommen, so unter den Herrn Obristen Aldringen imb Vogtland gelegen undt bey der Schlacht nicht gewesen :) von der königlich Schwedischen Chur Sachsischen und Confœderirten Armee |[R.] zue Breitenfeld| bei Leipzig geschlagen[1], undt nach dieser Schlacht wunderbarliche, unversehene casus mutationes[b] undt actiones, sonderlichen hiesiges ohrtes zue befahren, undt fuernemblichen auch bei der Geistlicheit sich zuetragen mögen, Als habe ich kurtzlich so viel mueglichen undt thuenligen hernachfolgendt annotiren wollen.
Mitwochen den 24. / 14. 7bris
Alß unterschiedlige Verwun[de]te, auch krancke undt geschlagene Soldaten keiserische Soldaten in hiesigen ohrten ankommen, daß Landt Volck auf sie verbittert gewesen, undt als [sie] ihnen ziemblich zuegesetzt[2], hat Herr Licentiat Adam Schwindt, Chur Maintzischer Commissarius|[R.] Lizentiat Adam Schwindt Chur Maintzischer Commissarius| durch Herrn Joannem Constantinum Schmidt Einen Ehrenfesten Raht hiesiges ohrtes erinnern lassen, darmit alle Exorbitantien in ihre dorfschaften verhuetet undt die armen Soldaten ferner fortgeholfen werden mogen, welche Anordtnung auch also bald gemacht worden, undt man gesehen, wie nach mueglicheit mogte den Volck geholffen werden, ist auch Herrn Obristen Aldringen Commiss für seine Soldaten zuegeschickt worden.

[1]Der Kartäuser-Prior Arnoldi, 43v, hielt dazu lapidar fest: 'Sacræ Cæsariæ Majestatis hactenus decennio integro victorissimo exercitu apud Lipsiam Misniæ oppidum abs Serenissimo Rege sueciæ Gustapho Adolpho superato, cæso fugatoque'. Vgl. den Bericht des Erfurter Blaufärbers KRAFFT, Chronik, fol. 66r, über die Siegesfeier in Erfurt und die Predigt seines Schwagers, Magister Valentin Wallenberger.
[2] Euphemismus: Die Verfolgung und Tötung geschlagener und verwundeter Soldaten durch Bauern und Städter war durchaus üblich, man nahm ihnen alles ab, was irgendwie von Wert war, zum Teil trugen die Söldner ihre bisherige Kriegsbeute in Geld und Schmuck bei sich.
[a] Tagebuch der Begebenheiten von der Zeit der Niederlage des kaiserlichen Heeres am 17./7. September im Jahr 1631 an
[b] Veränderungen der Lage