© Mitteldeutsche Selbstzeugnisse der Zeit des Dreißgjährigen Krieges

  Selbstzeugnis von Caspar Heinrich Marx (Diarium)




Caspar Heinrich Marx (Diarium), f. 11r
[1631.10]

1631
undt feur gehabt, Auch die Sever[i]s Schule undt Capitulstueben erbrochen, die Registra undt briefliche Uhrkunden, so da befunden, zerstreuet, anfangen einzureissen[1] :) zuegehalten, in keiner die divina verrichtet alß in der Schotten oder Sancti Jacobi kirchen, welche offen, dieweil der Herr Schotten Abt einen brueder |[R.] nahmens Thomas Wollerius|under der Armee so Capitain, bei ihme logiret undt Catholisch gewesen. In den closter wie auch haus Capellen Patrum Societatis ist auch Meß gehalten, weil selbige albereit in Schutz genommen undt Reversales Fidelitatis[a] von sich geben. Es ist |seindt |auch in Herrn Licentiat Adami Schwindts haus Capellen, Sanctæ Mariæ et Mariæ Magdalenæ genant, die divina verrichtet worden, weil an selbigem ohrt eine lebendige Salva Guardia gewesen.
|[R.] Lizentiat hat in Seiner haus Capellen lasen Meß halten. |
Unter dessen hat man im Stift Beatæ Mariæ Virginis alle Türe, gemach undt fast alle Schräncke den Schwedischen deputirten erofnen müssen[2] .
Montags 6. octobris / 26. 7bris.
|[R.] Sch[w]edische Justitia[b] gegen einen rauberischen Soldaten. |
Seind Ihre Maiestät Vormittage von hier weg nach dem Landt zue Francken zuegezogen, zueforderst aber eine[n] Reutter, welcher aus Juncker Wolf von der Weser, etlich gelt gepresset, auch Herrn Philipp Möllern an die 1600 daler gestolen undt geblündert, auff offenen marck aufhencken[3] lassen.
Bei Ihrer königlichen Maiestät Aufbruch ist Ihre Furstliche Durchlaucht von Weimar, hertzog Wilhelm, general Leutenambt, Ihre Grafliche Gnaden Graf Ludwig von Löwenstein, hiesiger gesetzter |Schwedischer | Commendator, wie auch der Obrist Monroy, Obriste Mitschuel, Obrist Vorbusch undt Obrist Kemnitz mit ziemblichen anzahl Volckß hier verblieben[4] .
Es haben auch Ihre königliche Maiestät ihren Ambassadoren

[1] Hier ist gemeint, dass die zerrissenen Urkunden als Streu unter die Pferde kam, ein durchaus üblicher Vorgang, da man wusste, dass die Vernichtung der Urkunden zur Rechtsunsicherheit bzw. zu langwierigen Prozessen führen musste.
[2] Die bei SCHAUERTE, Gustav Adolf und die Katholiken, S. 13, erwähnte Plünderung des Domschatzes fehlt bei Marx, wobei davon auszugehen ist, dass sie von Marx angesichts dessen genauer Schilderung anderer Gewalthandlungen erwähnt worden wäre, wenn sie stattgefunden hätte.
[3] Vermutlich an einem Quartiergalgen, der demonstrativ und zur Abschreckung in den besetzten Quartieren errichtet wurde. Das Erfurter Hochgericht befand sich dagegen auf dem Stollberg im Steigerwald südlich von Erfurt.
[4] Nach SCHAUERTE, Gustav Adolf und die Katholiken, S.13, waren es 3.225 Mann. Nach Happe I 275r waren drei Regimenter in Erfurt geblieben. Forbus kommandierte zu diesem Zeitpunkt das weimarische Aufgebot der Landesverteidigung, das bisher Obrist Johann Riese [ - 10.8.1632] geführt hatte.
[a] Treueerklärungen
[b] Gerichtsbarkeit