Caspar Heinrich Marx (Diarium), f. 96v
[1635.08]

Mitwoch den 29. / 19. Augusti.
Nicol Pappen mit schreiben an Ihre Furstliche Gnaden zue Eisenach abgefertiget, in welchen relaxatio der arrestirenden Geistlichen Zinsen in Pacis inter Imperatorem et Electorem Saxoniae[a] gebethen wirdt, beneben einen schreiben an Herrn Vicedomb, das Ihre Gestrengheit ein bevorderer sein wollen in causa[b]
Eodem die[c]
Dieweil vorgestriges dages die hiesige, zue Churfürstlichen Durchlaucht zue Sachsen abgefertigte Abgesanten wiederumb kommen, auch gestriges dages Herr Doctor Ernestus Godofredus Nürnberger, Syndicus, seine relation gethan, als ist heutiges dages deswegen consultation aufm Rahthause gehalten worden.
Eodem die[d]
Donnerstag
Liefert mihr Herr Daniel Erasmi, Medicinæ Doctor undt Herrn Schwedischen Feldmarschalks Gustavi Horns Leibmedicus, funf Casulas oder Mesgewant, so den Herrn Patribus Societatis Jesu zu Bamberg[1] zuestendig. Laut des Herrn Notarii Herrn Jacobi Junemans gehaldtenen protocol in beisein Herrn Joan Coloni, Canonici Sancti Severi, undt Henrici Wedekindts, studiosi[e], erbedtener Zeugen.
Donnerstag 30. / 20. Augusti.
Consultirte Herr Siegler mit mihr undt Concludirten mit einander, daß Herr Siegler zumb Herrn Oberaufseher der Grafschaft Henneberg[2] als Chur Sachsischen Commissario in puncto[f] des hiesigen ohrts ankundigten undt auch angenommenen friedenß (welcher in Herrn Lizentiat Schwindts logament :) gehen, undt|ob ehr| quæsita occasione[g] vernehmen [...] könte, wie es cum restitutione Bonorum Ecclesiasticorum aliorumque, Reverendi[h][...] der Raht machen |würde|, undt qua via[i] (darmit man sich nicht versehe) Clerus solche restitution begehren könte.

[1]Bamberg war am 11.2.1632 durch Horn eingenommen worden. Im Jesuiten-Kolleg hatte sich der schwedische Obrist Georg Wolf von Wildenstein niedergelassen, der in der Jesuitenkirche sofort zum großem Ärger seiner Kameraden den calvinistischen Gottesdienst eingeführt hatte und im Jesuiten-Kolleg wohnte. Die Beutestücke aus dem Kolleg hatte er auf Wunsch seiner Gemahlin nach Nürnberg verbringen lassen. Wildenstein fiel am 6./16.11.1632 in der Schlacht von Lützen.
[2]Die Grafschaft Henneberg wurde nach dem Tod des letzten Grafen (1583) auf Grund der Erbverbrüderung von 1554 von den beiden wettinischen Linien verwaltet. Die Grafschaft gehörte 1631 zu den von den Truppendurchzügen und Einquartierungen am schlimmsten betroffenen Territorien. An das Aufbringen der Kontribution nach Erfurt war kaum zu denken, das Rentamt in Schleusingen verfügte über keine Mittel. Die Landstände wurden bewogen, innerhalb der nächsten zwei Monate 2.500 Rt. aufbringen zu wollen. Ein weiterer schwerer Schlag wurde nach dem Bericht des kursächsischen Oberaufsehers Marschalk ( ) der Grafschaft im Oktober 1634 durch den Einbruch der Truppen Piccolominis versetzt. Vgl. HEIM, Leiden der Grafschaft Henneberg; KÖBLER, Historisches Lexikon der deutschen Länder, S. 247f.
[a]Frieden zwischen dem Kaiser und dem Kurfürsten von Sachsen
[b] in der Angelegenheit
[c] an diesem Tag
[d] an diesem Tag
[e]Student
[f] wegen
[g] bei außerordentlicher (günstiger) Gelegenheit
[h]mit der Wiedereinsetzung in die geistlichen und andere Güter des ehrwürdigen [Mainz ?]
[i] auf welchem Weg


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