Volkmar Happe Teil I, f. 33v
[1623.02]

da es alles aufgezehret und im Grundt verderbet hat, in die Herrschaft Schwartzburg verrücken sollen. Das erste Quartier ist bestellet gewesen zu Frankenhausen und selbigen Refier, das andere zu Sondershausen und das dritte im Amte Keula, und hat Hertzog Fritz sein Quartier auf dem Hause Keula haben sollen, ist auch alles darzu verordnet gewesen, worüber die armen Leuthe allenthalben sehr betrübet gewesen. Ich selbsten habe Weib und Kind von einem Ort zum andern geschicket, ist aber an keinem Orthe Friede oder Sicherheit gewesen. Als nun die Furcht und obschwebende Gefahr am allergrößesten, kommet der allmechtige gütige Gott und hülft unverhofft genädiglich, cum duplicantur lateres venit Moises[1]. Denn wie das Krieges Volck zum Aufzuge vermahnet wird, rebelliren sie allesamt, rufen Gelt oder wir rücken

[1]"Werden die Ziegel verdoppelt, so kommt Moses (zu Hilfe)". Zeitgenössische Redewendung, die besagte: "Wenn die Not am größten ist, ist Gott am nächsten". Das Sprichwort spielt an auf 2. Mose (Exodus) 5, wo die Verschärfung der Arbeitsbedingungen in der Ziegelherstellung für den ägyptischen Pharao der endgültige Auslöser dafür ist, dass Moses mit der Rettung Israels beauftragt wird (vgl. dazu Exodus 6). Das Sprichwort findet sich im Sinne seiner Verwendung bei Happe auch auf einem zeitgenössischen illustrierten Flugblatt aus dem Jahr 1631, auf dem das Eingreifen des schwedischen Königs Gustav Adolf in den Dreißigjährigen Krieg gefeiert wird: Georg Köler: Cum duplicantur lateres venit Moses, Wenn man die Zigel duplirt, So kompt Moses vnd Liberirt, Nürnberg 1631, abgedruckt in: Harms/Kemp, Sammlungen, S. 200.


< vorige Seite     nächste Seite >      Druckversion