Volkmar Happe Teil I, f. 26r


Mein seeliger Vater mahnete mich immer vor Hofeleben abe, erzehlete, dass zwey Brüder gewesen, deren einer ein bürgerliches, stilles Privatleben geführet, der andere were ein vornehmer Hofrath an einem Herren Hofe worden. Einsmahls wer der Hof Rath unversehens in Mittage unter den ersten zu seinem Bruder kommen, welcher Kraut und Fleisch auf dem Tische gehabt. Da hette der Hofmann gehsagt: Ey Bruder, sietzestu hier und issest die geringe Speise, ich will dich nach Hofe bringen, da du wohl ander Speisen haben kannst. Deme der Bruder geantwortet: Lieber Bruder, ich will lieber mit dieser geringen Speise in Freyheit vorlieb nehmen und Gott darbey loben und preisen als zu Hofe ein Knecht und schendlicher Mamelucke werden, der denen Herren wieder Gott und Recht mit seinem ewigen Verderben nur nach dem Maule reden muss.


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