Michael Heubel, f. 114
[1633.11]


Anno
1633
.
Ihro Herrn Geistlichen, Herrn Magister Walther als Superintendendent zue Gotha, und Herrn Prætorium einige Katholische zu Würtzburg zue der evangelischen Religion zue bringen, aber es soll nicht eine Seele bekehret[1], dargegen unzehlich viel Würtzburger Wein abgeführet worden sein.


[1]Im Fürstbistum war der Widerstand der Bevölkerung ständig angewachsen, da die vorausgegangenen Zusagen Gustav II. Adolfs und Bernhards von Sachsen-Weimar nicht eingehalten wurden. Mit Patent vom 27.9. hatte Bernhard die genaue Erfassung der Weinmenge und die baldige Weinlese angeordnet, um die Erträge von den Winzern erpressen zu können. Der katholische Klerus unterstütze den aktiven und passiven Widerstand der Bevölkerung. Im Mandat vom 26.9. drohte Bernhard von Sachsen-Weimar mit Leibes- und Lebensstrafe und der Konfiskation des Eigentums, wenn die Bevölkerung ungebührliche Reden über die Landesregierung und die politische und militärische Lage führte. In Würzburg wurde weiter für den abwesenden Fürstbischof Franz von Hatzfeldt gebetet, an den Kirchentüren wurden Zettel gegen die "Ketzer" angeschlagen, in den Beichtstühlen wurde den Katholiken der Besuch evangelischer Gottesdienste "auf ihr Gewissen" und der Übertritt zum katholischen Glauben verboten. Auf dem Lande drohten die Einwohner, "wann die kaiserlichen Armeen anhero gelangen, das plätlein sich ändern mögt, wollten sie fürdigst dem hiesigen lutherischen Prediger der vns vnsere Kirchen eingenommen, den Kopf nachgehends allen denjenigen, so Rat und Tat dazugegeben, entzwei hauen". Dazu kamen der Anspruch auf den Würzburger Dom für den evangeli-schen Gottesdienst, das Verbot öffentlicher Prozessionen, die Rückkehr zum Julianischen Kalender, Einschränkungen für die katholischen Bruderschaften und die Umwandlung der Universität in eine evangelische Bildungsanstalt, wenn auch alles in der noch verbleibenden Zeit nicht durchsetzbar sein sollte.


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