Michael Heubel, f. 138
[1635.00]


Anno
1635
.
Auschburgische
Belägerung
Ist die Stadt Außpurg, in welcher der Herr Obriste Caspar Ermeß Commendant gewesen, wegen großer Hungersnoth, in welcher Pferdefleisch, Hunde und Katzen gegessen worden und viel 100 Menschen Hungers gestorben[1], mit Accord[2] an die
{Außburg geht mit
Accort an die
Keyserlichen über}
Keyserlichenübergangen[3] und hat die Bürgerschaft das Gewehr uf das Rathhaus liefern und dreymahl hunderttausend Gulden vor die Brandtschatzung und den Churfürsten in Beyern 80000 fl. wegen der Blocquirungskosten[4] in 4 Monathen zue geben bewilligen müssen. Über dies hat


[1]Heubel dürfte hier das Theatrum Europaeum Bd. 3, S. 429, benutzt haben: "auch so gar alles auffgezehret worden / daß Hund und Katzen an statt eines Wiltprets / von den Armen aber auch Mäuse und andere unnatürliche Sachen gessen / ja die Menschliche Leichnamb vielfältig angewendet worden / auch kein Tropff Wein mehr in der Stadt zufinden gewesen / auch Wochentlich in zweyhundert Personen / meist vor Hunger und Kummer / und darunter viel auff der Gassen hinweg gestorben".
[2]Die Übergabebedingungen finden sich im Theatrum Europaeum Bd. 3, S. 429ff.
[3]Am 14.3. hatte der Rat der Stadt dem sogenannten "Leonberger Rezess" zugestimmt, am 28.3. verließ die schwedische Besatzung die Stadt mit Konvoi nach Erfurt und rückten kaiserliche Truppen ein. Ott Heinrich Fugger wurde von Maximilian I. zum Kommandanten eingesetzt.
[4] Theatrum Europaeum Bd. 3, S. 432: "Die Stadt hat sonsten über die in bemeltem Accord benambste 300000 fl. auf Ostern und Pfingsten zu erlegen / noch 80000 fl. auff zukünfftig Michaeli auch zugeben bewilligen müssen".


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