Michael Heubel, f. 139
[1635.00]


Anno
1635.
man ihnen alle evangelische Kirchen, außer die zum Barfüßern, darinnen sie ihr Exercitium mit 2 Predigern bis uf fernere keyserliche Verordnung erhalten, gesperrt[1] und
{es wird den
Pristern verboten,
ihr heiliges Amt
zu verrichten}
denen andern in der Stadt befindlichen 14 Geistliche anbefohlen, sich ihres Ambts mit Predigten, Taufen und andern zue enthalten. Hat Herr General Gallas Vertröstung gegeben, bey Keyserlicher Mayestät uf unterthäniges Ansuchen ein mehrers zue erhalten. Als[o] seind von gemeiner Bürgerschaft gewisse Deputirte[2]nach Wien abgefertiget worden[3], deren Verrichtung man zue vernehmen hat.


[1]Diese Informationen hat Heubel ebenfalls dem Theatrum Europaeum Bd. 3, S. 432, entnommen: "zu wissen, als bey dem Augspurgische gestrigs Tags getroffenen Accordo / der Stadt Abgeordnete sich indeme beschwert befunden / daß den Bürgern Augspurg. Conf. keine Kirch oder Platz / darinnen ad interim, und biß die ihnen bewilligte Kirch erbauet / das Exercitium Augustanæ Confessionis gehalten werden möge / zugelassen / auch nur einen eintzigen Prädicanten erlaubt worden / und sie Abgeordnete es gleichsamb für unmüglich halten wollen / daß ein eintziger Prädicant solcher grossen Bürgerschafft / der Gebühr vorstehen könne / dahero umb Extension [Erweiterung] solcher Käyserl. Gnad bey Ihrer Gräffl. Excell. Herr Graff Leutenant von Gallas unterthänig angehalten / als ist gemelten der Augspurgischen Confession zugethanen Bürgern noch ferners / doch auff allergnädigste Ratification der Röm. Kays. Maj. unsers allergnädigsten Herrn / verwilliget worden / neben dem Prädicanten noch einen Helffer (der sich doch ebener massen wie der Prädicant reversiren [verpflichten] sol) zu halten / dann zur Ubung ihres Exercitii, sich der Kirchen zu den Barfüssern precario [bittweise] auff 6. Wochen zugebrauchen".
[2] Der frühere Stadtpfleger Jeremias Jacob Stenglin, der Rat Hans Ulrich Österreicher und der Ratskonsulent Dr. Georg Forstenhäuser hatten am 6.4. die Reise nach Wien angetreten, waren aber erst im Juni zur Audienz bei Ferdinand II. zugelassen worden, ohne allerdings eine Milderung der Strafgelder zu erreichen. Auch eine Delegation zu Maximilian I. von Bayern nach Braunau blieb erfolglos.
[3]Auch hier dürfte Heubel seine Informationen dem Theatrum Europaeum Bd. 3, S. 432, entnommen haben: "Des 4. Tags nach beschehenem Außzug seynd die Evangelische Kirchen so balden gesperrt / biß auff die zu den Barfüssern biß auff 6. Wochen / wie in dem Neben-Bescheid erlaubt worden / darinnen das Exercitium mit 2. Predigern zu halten / und den andern 14. Geistl. sich ihres Ampts zuenthalten befohlen / biß auff fernere Verordnung von Kays. Maj. Die Augspurgische Deputirte seynd nacher Wien abgereiset / umb bey Kayserl. Majest. in ihrem Accordo vermittelst Göttlicher Gnaden ferner zu negociiren".


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