Hans Krafft, f. 100v
[1638.09]

Anno 1638 den 25. August hat sich aufm Rathause eine Historie zugetragen gleich wie zu Speyer[1]. So geht einer aus Erfurt mit Namen Hans von Dennstett, hatte lange Zeit zu Speyer[2] Gehader und zu seinem Recht nicht [hatte] kommen können, so geht er am hellen lichten Tage auf das Rathaus mit einer Laterne, leuchtet unter alle Bänke, sucht sein erlangtes Recht, kanns aber nicht finden. So wird ihm geraten, er soll sich packen. War Christians, des Procurators, Frau, die geht auch auf das Rathaus mit einer Laterne und leuchtet unter alle Bänke, sucht auch ihr Recht. Da die Stadtknechte sie sehen, fragen sie, ob sie was verloren hätte. So sagt sie, sie suche ihr erlangtes Recht, sie könnte es aber nicht finden. Das berichtet ein Anknecht. So befehlen die Herren, sie sollen sie ins Paradies stecken. So hat sie drei Tage darinnen gesteckt. Zu der Zeit war dort Rennemann und Wolf Jünger an Regiments Obersten. [Bl. 101r unbeschrieben]

[1]Speyer war der Sitz des Reichskammergerichts, des Gerichts der Reichsstände, seit 1527 in Speyer untergebracht, zuständig teils in 1., teils in letzter Instanz zuständig für Rechtsverweigerung, Landfriedensbruch oder bürgerliche Klagen gegen Reichsunmittelbare.
[2]Speyer war der Sitz des Reichskammergerichts, des Gerichts der Reichsstände, seit 1527 in Speyer untergebracht, zuständig teils in 1., teils in letzter Instanz zuständig für Rechtsverweigerung, Landfriedensbruch oder bürgerliche Klagen gegen Reichsunmittelbare.


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