Hans Krafft, f. 105r
[1652.00]

Anno 1652 vor Jacobi hat Martin Schade, Kantor zum Prediger, seine Tochter ein Hurenkind bekommen.[1] Die hat sich so keck und mutig, so ehrlich gemacht, als wenn sie die Allerehrlichste unter der Sonne wäre, hat ihre schönen Kränze mit guten Perlen aufgesetzt und sich aufs Allerschönste geputzt. Endlich so wirds offenbar, dass sie ihr Hurenkind einer Bauersfrau gibt, [zusammen] mit einem Rettich und Geld. So geht die Bauersfrau von einem Dorf zum anderen und will das Kind gerne taufen lassen. So will es kein Pfarrer nicht taufen, er will wissen, wem das Kind sei. Alsdann wirds in die Vogtei berichtet. So lassen sie das Kind holen, [und] endlich geben sie Hure und Buben zusammen.[2] 1652 wird die Kirmes auf der Cyriaksburg gehalten. So haben [sie] allerlei Kurzweil, und wie sie zu Abend heimgehen, so spricht der Ratsmeister Hanß Balhoffer zu Hanß Stobesen, er solle doch ihm zu Ehren eine Granate in die Luft werfen. Spricht er [Hans Stobesen], er wüsste nicht, wie sie gefüllt wäre, es möge ihm von Einem Ehrenfesten Rat nicht zugute gehalten werden. Spricht der Ratsmeister er wolle es verantworten. So tut er es und behält die Granate so lange in der Hand, wie sie angezündet, die schlägt ihm die Hand vom Leibe. So schlägt das Kaltfeuer dazu, dass er stirbt. Den vierten Tag wird er zum Prediger begraben.

[1]Außereheliche Sexualität wurde in der Regel mit Prangerstehen bzw. empfindlichen Geldstrafen geahndet. Die Strafen für Ehebruch reichten dagegen je nach Territorium von Köpfen und Verbrennen bis hin zum Pranger, Stäupen oder Gefängnis.
[2] verheiratet sie.


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