Hans Krafft, f. 12r
[1289.00,1290.00]

König Rudolf das Volk eines Teils aus mit dem von Erfurt und ließ brechen 66 Festungen und Schlösser im Thüringer Land, und auf denen waren alle Räuber und Schalken. War, dass man da begriff, ward alles enthauptet[1]. Da sandte der König Rudolf nach den Bürgern, dass sie zu ihm kommen auf den Berg S. Peters kommen und bat sie, dass sie sollten einen steten Frieden halten und haben mit [den] Herren, wo sie sollten getrauen, also weil ihm getraut, und dass sie ihre Stadt das bewahrten vor der großen Herrschaft, den sie nach getan hatten. Auch so lasst machen an die Toren in die Gassen Ketten. Und sich irgendeine Zwietracht hübe von den Bürgern oder Herren, so werft ihr die Ketten, so könnten sie nicht so schnell aufeinander kommen.[2] Hiermit danke ich Euch, Eure Ehrbarkeiten, ihr lieben Bürger. Darnach zog der König Rudolf am 3. Tag von Erfurt mit seinen Herren und [seinem] Heer, ließ das Thüringer Land wohl mit Frieden [zurück].

[1]Der Hoftag wurde nicht 1290, sondern Weihnachten 1289 abgehalten und die 29 Straßenräuber am 20. Dezember 1289 nicht enthauptet, sondern gehängt. Rudolf hielt sich fast ein Jahr lang in Erfurt auf. Vgl. dazu Beyer/Biereye, Geschichte der Stadt Erfurt, S. 65 f.
[2] Zwar bestätigte Rudolf I. der Stadt am 21. Februar 1290, dass sie von fremden Gerichten befreit sei und das Recht habe, ihre Feinde zu verfolgen, doch musste er die Oberherrschaft der Erzbischöfe von Mainz anerkennen. (vgl. Martin, Städtepolitik Rudolfs von Habsburg, S. 97f.).


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