Hans Krafft, f. 156v
[1643.00]

Anno 1643. So hat der Commandant[einem Mann]abschneiden lassen [1] die Ohren,[2] Nasen, und den Galgen und das Rad[3] auf die Stirn und Backen gebrannt, dieweil er Degen, Sporen, Flore aus der Kaufmannskirche hinweg gestohlen[hatte] und auch davon gelaufen [war].


[Bl. 157 bis 159 unbeschrieben]


[1] Derartige Verstümmelungsstrafen waren bei Diebstahl üblich.
[2] Im Mittelalter war das Ohrenabschneiden häufig mit der Verweisung verbunden gewesen. Bei Diebstahl, Gotteslästerung und Tragen verbotener Waffen wurde meist ein Ohr abgeschnitten und an den Galgen genagelt. Das Abschneiden eines Ohres galt als Strafe und Warnung zugleich, in Zukunft ein ordentliches Leben zu führen.
[3] Im Römischen Kanonischen Recht handelte es sich im geschilderten Fall um ein Sakrileg, um Kirchenbruch. Im Schwabenspiegel wurde dafür das Rad angedroht. Die "Bambergensis" beschränkte diese schwere Strafe auf schweren Kirchendiebstahl, z. B. den Raub der Monstranz. In der "Constitutio Criminalis Carolina" wurde festgehalten, dass bei derartigen Delikten weniger milde verfahren werden sollte als bei weltlichem Diebstahl, Art. 171, 174. Die Brandmarkung mit Galgen und Rad sollte wohl zeigen, dass dafür früher Galgen und Rad als Strafen verhängt worden wären.


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