Hans Krafft, f. 171v
[1646.00]

Anno 1646 bei Regierung Hiobt Ludloff und Johann Hallenhorß war eine unzüchtige Hure mit Namen Cathrin, welche mit zwölf Ehemännern ihre Hurerei getrieben, mit Namen Doctorus Franck, Jacob Kreitz, Steffan Keyser, Nicol Stichling, Andonius der Brauknecht, Georg Ziegler.
Die haben ihren Ehebruch alle mit Gelde verstraftund ist so heimlich ins Wachs gedrückt worden, dass kein Mensch darvon hat reden dürfen, wer sie gewesen sind. Die Hure hat über 16 Wochen eingesessen, und ist ihre Strafe[1] gewesen, dass sie in der Stadt in etlichen Gassen dass Wasser hat reine gemacht[2] mit einem Haken und ist in Eisen gegangen, und ist ihr eine eiserne Stange mit einer großen Pferdeschellen angebunden worden, dass man sie hat hören können. Ist endlichen heimlich aus der Stadt verwiesen (S) worden. Es ist aber durch das [geistliche] Ministerium und Predigtamt auf allen Kanzeln darauf gar sehr geeifert worden, Gottes Zorn [wurde beschworen], der über solche Unzucht[nieder]gehen würde, [weil] das Laster nicht gestraft worden ist.



[1] Frauen waren in diesen face-to-face-communities durchweg eher der öffentlichen Schande unterworfen als Männer. Auch dieses Fallbeispiel Kraffts zeigt die Benachteiligung in diesem Deliktbereich.
[2] Diese Tätigkeit oblag dem Abdecker, Schinder, Wasenmeister und zählte zu den Ehrenstrafen für Männer und Frauen mit liederlichem Lebenswandel. Des weiteren erfolgt eine Strafenkumulation bis hin zur Stadtverweisung.


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