Hans Krafft, f. 66r
[1632.09]

Anno 1632 den 7. September so ist ein allgemeines Jubelfest wegen von Ihrer Könglichen Majestät Justav [sic] Adolvo angestellt, weiln den 7. September 1631 er mit Gottes Hilfe die Schlacht bei Leipzig erhalten. Und so wir vor Mittag in unsern Pfarrkirchen gefeiert und Glocke Neun so ist die erste Neunpredigt in unser liebe Frauenkirche durch meinen Schwager, Magister Valentin Wallenberger, verricht.[1] Haben mit zwei Orgeln, Instrument[en wie] Lauten, Harfen, Pauken, Pfeifen und Geigen eine herrliche, stattliche, überaus schöne Musik gehalten. Aber es wollte den Papisten nicht gefallen, sie wollten die Türme[2] nicht eröffnen. Mussten drei Türen aufbrechen, dass sie zu den Glocken kommen konnten. Sind 3, bald mit der großen Glocken, mit dem Geist und Wolf geläutet worden. Und wollten die Kirche nicht eröffnen, es hilft sie doch nicht, du musst, ist ein böses Kraut.[3] Des Abends aber, so ist eine Salve geschossen mit großen Stücken 3mal, die um die Stadt stehen, und auf der Cyriaksburg und mit Musketen, die des Tags gelöst[wurden].



[1] Die Predigt wurde in Bezug auf das Purim-Fest gehalten, ein jüdisches Fest am 14. Adar (Febr./März) zur Erinnerung der Errettung der persischen Juden durch Esther und Mardochai. Wallenberger predigte bezeichnenderweise über das Buch Esther 9: "Im zwölften Monat, das ist der Monat Adar, am dreizehnten Tage, als des Königs Wort und Gesetz ausgeführt werden sollte, eben an diesem Tage, da die Feinde der Juden hofften, sie zu überwältigen, und sich's wandte, daß nun die Juden ihre Feinde überwältigen sollten, da versammelten sich die Juden in ihren Städten in allen Ländern des Königs Ahasveros, um Hand anzulegen an die, die ihnen übel wollten". Die Predigt wurde veröffentlicht u. d. T.: Purim oder Gedechtnis-Sermon am Lob- und Danckfest für den herrlichen Sieg, welchen Gott seiner Kirchen anno 1631 den 7. Septembris bey Breitenfeldt eine Meilen von Leipzig verliehen ... Gehalten in sehr grosser ungewöhnlicher volckreicher Versammlung vieler tausendt Menschen in der Stifft- und Pfarrkirchen zu S. Mariae ... in Erffuhrt von Valentin Wallenberger, Erffuhrt 1632: Dedekind in Verlegung Bischoffs.
[2]Dom.
[3] zeitgenössisches Sprichwort, auch: Muss ist ein bitteres Kraut. Vgl. auch Wagner, Pforr, S. 135.


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