Hans Krafft, f. 71r
[1610.07,1610.08]

Anno 1610 den 6. Juli ist Josten, des Kleibers und des Brauknecht Sohn in der Klopfgasse mit Ruten gestrichen worden.
19. August so ist der Sohn Melchor her und überschwatzt einen Mann aus Schleusingen, des Abends auf Begehr seines Jungen, Vater mit dem Jungen, sie sollten mit ihme in die Hütten gehen. Die Hütte war vor dem Brühler Tor. So borgt der Melchor dem Vater sein Messer, und weiln der Mann und der Junge müde seind und entschlafen, so nimmt der Melchor das Messer und schneidet dem Mann den Hals ab und sticht dem Jungen 32 Löcher. Der Melchor ist gegriffen worden, so hat er bekannt, er hätte mit einer Magd seine Kurzweil gehabt, darnach so hätte er ihr die Brüste abgeschnitten [1] und hätte sie in die Tondorfische Grube[2] geworfen und hätte sie ersäuft. Endlichen so ist er zu Daberstedt gerädert[worden] unter dem Galgen und der Henker hat ihm 42 Stöße mit dem Rade gegeben.[3]


[1] Im Strafrecht üblich bei Kindsmörderinnen und "Hexen". Wahrscheinlich erhielt er wegen dieser besonderen Brutalität der Tat auch 42 Stöße mit dem Rad.
[2] wahrscheinlich die "Tiefe Grube" im Amt Tonndorf, gelegen zwischen Eichelborn und Gutendorf. Tonndorf gehörte zum "Erfurter Gebiet".
[3] So auch vermerkt in Anon., Erffurtische Chronica, S. 417. Diese nennt als Tag des Mordes den 18.8. und als Termin der Hinrichtung den 27.8.1610. Der Mann aus Schleusingen wird hier als Bote bezeichnet, der Täter bleibt anonym.


< vorige Seite     nächste Seite >      Druckversion