Caspar Heinrich Marx (Diarium), f. 46v
[1632.12]

1632.
Decemb. et Novemb. stylo. vet.
Residenten gewesen, haben gleiche proposition, als der Herr von Berlepsch gethan, vernommen. Hoc addidit Dominus Residens[a] wan es an hiesigen Geistlichen nicht genug, wolte er von Würtzburg[1], Maintz[2], undt anderen ohrten darzue bringen, undt auch die | Catholische | burger beibringen lassen: wie dan nur Herr Wechman albereit ein anfang gemacht, so 300 thl. hergeben müssen.
| NB[b] Dresanus
Wie wohl Doctor Dresanus nicht wenig Ursach zu solcher H. We. Pressur Herrn Wechmans, in deme ehr examiniret wegen etliches vergrabenes kupfers bei den Barfuesern, inter cætera[c] geandtwortet, daß ehr solches Herrn Wechman angezeiget hette, dem Herrn Residenten zue referirn, dardurch Herr Resident wieder Herrn Wechman exacerbiret. Daß solches Dresanus gesagt, ist Herr Wechman von Herrn Doctore Thiel imb Maintzischen hoef fuergehalten worden. Testis etiam[d] Mathias Weinelt, welcher es ex ore[e] Herrn We[ch]manns klagend gehört, sicuti et ego[f]
Item id eo noto quia [varibus vastibus] actis a Dresano traducimur[g].
|
Per. 6. 3. 10bris / 23 9bris.
hat mihr des von Berlepsch sein diener mihr den gestrigen uberschickten concept zueruck geschickt, Under selben seine opinion schriftlichen ( beneben der gefangnen vomb adel nahmen) angedeutet, daß ehr fur rahtsamb erachtete, darmit derogleichen schreiben auch an den Grafen[3] von Gronsfeld mögte abgeschickt werden. Lest auch zuegleich andeuten, darmit der concept Ihrer Excellenz dem Herrn Residenten ad revidendum[h] zuegeschickt würde.
Habe ich Johan Speerschneiten zue Jacob Juneman geschickt, darmit durch ihnen der Concept den Herrn Residenti exhibiret würde, ist mihr aber der Concept wieder zueruck kommen, dieweil erwehntes von Berlepsch diener nachmahligen beneben Pater Wilhelmo Federle mich berichtet, soll ins rein geschrieben undt Seiner Gestrengheit zuegeschicket werden, wolte selbsten mit dem Herrn Residenten darvon reden.
Eodem die[i]
Ist folgender Pas durch des von Berlepsch diener mihr eingehendigt.
Der königlichen Maiestät zue Schweden General Lieutenant uber den Armeen.
Von Gottes Gnaden, wir Wilhelm etc.
Lasset frei, sicher undt ungehindert passiren undt

[1]Würzburg war am 5./15.10.1631, die Feste Marienberg am 8./18.10.1631 von schwedischen Truppen eingenommen worden. 80.000 Rt. musste die Stadt bezahlen, auf der Feste Marienberg fand man eine Riesenbeute vor, die bischöfliche Bibliothek von Fürstbischof Franz von Hatzfeldt ging nach Uppsala, ein Teil der ligistischen Kriegskasse fiel ebenfalls in die Hände der Schweden. Im Hochstift wurden 'Gegenreformationen' durchgeführt. Im Fürstbistum Würzburg wuchs jedoch der Widerstand der Bevölkerung ständig, da die vorausgegangenen Zusagen Gustav II. Adolfs und Bernhards von Sachsen-Weimar nicht eingehalten wurden. Mit Patent vom 27.9. hatte Bernhard die genaue Erfassung der Weinmenge und die baldige Weinlese angeordnet, um die Erträge von den Winzern erpressen zu können. Der katholische Klerus unterstützte den aktiven und passiven Widerstand der Bevölkerung. Im Mandat vom 26.9. drohte Bernhard von Sachsen-Weimar mit Leibes- und Lebensstrafe und der Konfiskation des Eigentums, wenn die Bevölkerung ungebührliche Reden über die Landesregierung und die politische und militärische Lage führte. In Würzburg wurde weiter für den abwesenden Fürstbischof Franz von Hatzfeldt gebetet, an den Kirchentüren wurden Zettel gegen die 'Ketzer' angeschlagen, in den Beichtstühlen wurde den Katholiken der Besuch evangelischer Gottesdienste 'auf ihr Gewissen' und der Übertritt zum evangelischen Glauben verboten. Auf dem Lande drohten die Einwohner, 'wann die kaiserlichen Armeen anhero gelangen, das plätlein sich ändern mögt, wollten sie fürdigst dem hiesigen lutherischen Prediger der vns vnsere Kirchen eingenommen, den Kopf nachgehends allen denjenigen, so Rat und Tat dazugegeben, entzwei hauen'. Dazu kamen der Anspruch auf den Würzburger Dom für den evangelischen Gottesdienst, das Verbot öffentlicher Prozessionen, die Rückkehr zum Julianischen Kalender, Einschränkungen für die katholischen Bruderschaften und die Umwandlung der Universität in eine evangelische Bildungsanstalt, wenn auch alles in der noch verbleibenden Zeit nicht durchsetzbar sein sollte.
[2]Mainz war am 12./22.12.1631 von schwedischen Truppen eingenommen worden.
[3] Gronsfeld war nach Pappenheims Tod in der Schlacht von Lützen dessen Nachfolger als Kommandierender im Weser-Bereich
[a] dies setzte Herr Resident hinzu
[b] wohlgemerkt, übrigens
[c] unter anderem
[d] Zeuge war auch
[e] aus dem Mund
[f] sowie auch ich
[g]Ebenso dasselbe vertraulich, weil aus den verschiedenen ungeheuerlichen Vorgängen von Dresanus bekannt gemacht wurde ??
[h] zur Überprüfung
[i] an diesem Tag


< vorige Seite     nächste Seite >      Druckversion