Caspar Heinrich Marx (Diarium), f. 44r
[1632.10]

1632.
Octobris.
Per. 2. 25. / 15. 8bris
Als ich berichtet, wie (wegen besorgender Ankunft des von Pappenheim, so Mulhausen occupiret[1] ) neue einquartierung fuerhanden undt die Geistlichen scharf beleget werden sollen, habe ich auf des Herrn Residentis Cantzlei aufgewartet undt Herrn Commissarium Bahrt (allegando paupertatem et miserias cleri[a]) umb linderung gebeten; Andwort Herr Bahrt, daß auf Angeben undt starckes Anhalten des Rahts die Einquartirung so starck auf die Geistlichen und Catholischen gehen würde.
Per. 5. 28. / 18. 8bris
Ist bei den Geistlichen starck einquartiret. Zue 10. 15. 20. 26 Personen in ein Haus.
| Eodem die[b]
Seind auf geheis des Herrn Residentis die Religiosi Sancti Benedicti beneben bei sich habenden Patribus Societatis Jesu vomb Petersberg auf den Severshof in des gewesenen schultheisen haus: die Augustiner in daß Weisenfrauen Closter: die Closter Jungfrauen Sancti Cyriaci et Martini Extra in daß Neue werk durch Hans Melchior von Bodewitz gewiesen undt gedachte Closter mit Soldaten starck beleget worden, daß in manchen 200 oder 300. gelegen.
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Ist Herr Decanus Beatæ Mariæ Virginis, Magister Urbanus Heun, beneben seinem Vetter | Magister Jacobus Heun|in Arrest genommen undt auf daß Rahthaus gefueret, Alda sie bewacht worden[2]. Hierauf seind die geistlichen undt Catholische burger noch härter undt fast doppelt beleget (wie dan auch mihr, der ich sonst wegen der Universitet undt vielen parochialibus[c] befreiet) mit einem Leutenant sambt 5 pferden undt 8 Personen inquartiret) worden. [im Folgenden vier Zeilen Text gestrichen]
| Eodem die[d] Seind dem glockener Beatæ Mariæ Virginis durch des Rahts Leut die schlussel zumb Turm abgenommen undt eine wacht auf den Turm gesezt worden. Haben also bis ad 23. 8bris / 2. 9ber 9bris kein glocken ad divina[e] brauchen können [im Folgenden zwei Zeilen Text gestrichen]|
Per. 3. 23. 8bris / 2. 9bris
Eine supplication an Herrn Residento Cleri beschwernus undt Decani captivitate[f] belangent, ubergeben.

[1] Am 16./26.10. zog Pappenheim in die Stadt ein; JORDAN, Chronik der Stadt Mühlhausen, S. 61ff. Zielrichtung Pappenheims war dieses Mal wirklich Erfurt, von dem er 20.000 Reichstaler Kontribution verlangte. Vgl. HAPPE, Chronicon Thuringiae I, fol. 282r, 282v. Mit der Furcht vor Pappenheim dürften auch die von KRAFFT, Chronik, fol. 69 r, erwähnten Baumaßnahmen zusammenhängen.
[2]Heun (und seinem Vetter) wurde Konspiration mit Pappenheim vorgeworfen, nachdem man einen Boten Pappenheims mit einem Brief an Heun abgefangen hatte. Der Bote wurde nach KLEINEIDAM, Universitatis Studii Erffordensis III, S. 134, öffentlich am Anger gehängt. Heun bestritt die Verbindung mit Pappenheim und wandte sich am 8.12. an Oxenstierna, um seine Unschuld zu beteuern. Am 3.1.1633 wurde er wieder aus der Haft entlassen. Möglicherweise handelt es bei dem Boten um den bei KRAFFT, Chronik, fol. 137v - 138r erwähnten Delinquenten. Bei HAPPE, Chronicon Thuringiae I, fol. 284 v, heißt es, er sei von Erskein gefangen genommen worden. Im Oktober waren in Mainz zwei Jesuiten von der 'Kampfgruppe Roms' – die Jesuiten galten als Promotoren der Gegenreformation - festgenommen worden, die mit codierten Schreiben über den Zustand der schwedischen Garnison nach Köln reisen wollten. Die Schreiben waren offenbar für Pappenheim bestimmt. Deshalb wurde das Jesuitenkolleg unter Arrest gestellt und die Korrespondenz der Geistlichen überwacht, verhindert oder zensiert.
[a] um die Armut und die Leiden des Klerus vorzubringen
[b] an diesem Tag
[c] Pfarreien, Pfarrkirchen
[d] an diesem Tag
[e] zum Gottesdienst
[f] Gefangenschaft


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