Caspar Heinrich Marx (Diarium), f. 17r
[1631.00]

1631.
Eodem die[a] 30. / 20. Decemb.
Seind wihr Deputati [ Nikolaus Ebert, Johann Henning, Caspar Heinrich Marx] beimb Herrn Zahlmeister Theodoro Evandro gewesen, der Clerisei schlus angedeutet, auch alsobaldt des hiesigen Rahts brief, obbenandtes Mutuum der 2014 fl. betreffent, offerirt, mit bit, weil Ihre Fürstliche Gnaden ein mehrers macht beimb Raht als die Clerisei, daß solches desto leichter in paratis[b] durch Ihre Fürstliche Gnaden leute konnte erhoben werden.
Hat Herr Evander solches unser fuerbringen ad referendum[c] angenommen, sich zwar erboten, daß ehr zumb Magistrat schicken wolle, musten aber etwas an der Summa fallen lassen, ward also mit ihm transigiret ( wie den auch die Clerisei solche transaction unsern Vermögen nach anheimb gestellet:) daß gedachter brief, so 2014 fl. hielte, für 1800. angenommen wardt, jedoch ad placitum undt ratification[d] Ihrer Furstlichen Durchlaucht, ob sie auch darmit zuefrieden sein würden.
Dieses seind Acta des 1631 iahrs. Unter dessen wahren die Geistliche sehr in ihren heusern beleget undt gepresset, auch geschlagen undt ausgeiagt; unterschiedliche heuser eingerissen[1] : alß des Capitul Haus und boden sambt Schuel Sancti Severi, Herrn Doctoris Valentini Härtegen haus zum Birnbaumb, Herrn Constantini Zieglers haus zur blauen ecken. Daß haus zur nachmittags Predigt gehörig auf den Severshoefe, Thueren und kasten zerschlagen in meinen haus amb Petersberge. Unterschiedene heuser aufm Rosmarck zerschlagen undt spoliirt. Grose Insolentien getrieben in den kirchen sub divinis[e] Summa, wir Geistlichen sassen in forcht, und Zitter, und pressuren domi forisque[f] in deme auch keiner ohnschimpfiret fast uber die Gassen gehen derffen[2]. Wie dan[n] Herr Johan Schlotheuer ziemblich auf der gassen schimpfet, Georg Wilde, Senior Canonicus, geschlagen etc.

[1] Nach SCHAUERTE, Gustav Adolf und die Katholiken, S. 16, sollen von Advent bis Dreikönig über 500 Häuser erbrochen und bestohlen worden sein.
[2]Happe, Chronicon Thuringiae I, 280v: 'Hertzog Wilhelm von Sachsen Weymar als schwedischer Stadthalter zu Erfurt helt sehr schlecht Regiment. Das Rauben und Stehlen gehet bald erger, als da die Keyserischen im Lande waren'. Ähnlich auch der schwarzburgisch-rudolstädtische Landrichter HEUBEL, Anmerkungen, S. 108: 'Den 30. Juli [1633] ließ Herzog Wilhelm von S. Weimar eine Ordonnance über das Verhalten der Soldaten publiciren, welcher jedoch gar schlecht nachgelebt wurde'. Vgl. dazu die bei SCHAUERTE, Gustav Adolf und die Katholiken, S. 14ff. dargestellten Ausschreitungen (nach FALCKENSTEIN, Civitatis Erffurtensis Historia).
[a] am selben Tag
[b] in Bargeld
[c] zum Vortrag
[d] zur Zustimmung und schriftlichen Bestätigung
[e] während der Gottesdienste
[f] zu Hause und auf den Straßen


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