Caspar Heinrich Marx (Diarium), f. 21r
[1632.01]

1632.
Januarius
Sontag 18./ 8. Januarii.
Nachmittag umb vier Uhr, wihr, der Clerisei Deputati, [ Nikolaus Ebert, Johann Henning, Caspar Heinrich Marx, Johann Melchior Rolandt] beneben Herrn Joanne Schlotheuern, Vicario Beatæ Mariæ Virginis, Herrn Hermanno Lindano, Decano Portæ Coeli, als Testamentarien[a] Herrn verstorbenen Scholastici Magister Lamperti Heckß, wahren zue Herrn Evandro berueffen, uberliefern demselben nomine Cleri[b] aus gedachtes defuncti[c] Verlas[s]enschaft auf Abschlag der Contribution An bahren geldt 86. Reichstaler|86. tlr.|14. groschen 3[...] d, An 10 marck 4 ½ loht[1] Silbers 71. Reichstaler|71. tlr.|23. g. 3. d.
Eodem die[d]
Habe ich die Nachmittags Predigt (: welche ich albereit mit den verstorbenen Herrn Scholastico etliche iahr verrichtet[2] :) absolute[e][wied] angetreten, und (do sie uber 8. Wochen underwegen gelasen[3] ) wiederumb angefangen.
Eodem die[f]
Zogen Ihre Fürstliche Gnaden Hertzog Wilhelm mit vielem Volck von hinnen nach den Eichsfelde zue[4].
Dienstag 27. / 17. Januarii.
Kam Ihre Gnaden, der Schwedische Reichs Cantzler Herr Axelius Ochsenstirn, hier an, wahr in die hohe Lilien logiret.
Sambstag 31. / 21. Januarii.
Wardt die Clerisei auf die weimarische Cantzlei in Herrn Kranichfeldes behausung auf den Anger berueffen, erschienen wihr Deputati [ Nikolaus Ebert, Johann Henning, Caspar Heinrich Marx] : wahren in der Cantzlei Herr Doctor Daniel Burchardt, Herr Theodorus Evander Zahlmeister, Herr Thomas Raspe Bodtemeister. Proponit[g] Herr Doctor Burchardt, wie ein Fürstlicher schriftlicher befehlig, welcher ex certis Motivis[h] auf eine summa geldes gienge, zue welcher summa Clerus 1000. daler|1000. tlr.|zwischen dato undt den 30. Januarii stylo veteri[sic] sub poena Executionis[i] erlegen sollte.
Item[j] laß aus bemeldetem schreiben, wie Ihre Fürstliche Gnaden berichtet, alß solten etliche ex Clero[k] sein, welche mit dem feinde Ih[...] correspondentz hielten[5], solten solche gewarnet sein, derogleichen hinfuro einzustellen.
Wihr Deputati [ Nikolaus Ebert, Johann Henning, Caspar Heinrich Marx, Johann Melchior Rolandt] nahmen einen Abtritt, beredeten unß et revocati[l]

[1]4 Lot = 250/1000 Silbergehalt, die unterste Grenze
[2] Seit 1625 hatte Marx die Nachmittagspredigt gehalten.
[3] ausgelassen
[4] Nach HUSCHKE, Herzog Wilhelm von Weimar, S. 7, soll Wilhelm IV. dagegen Erfurt erst am 20.1. verlassen haben und zunächst nach Sangerhausen gezogen sein. Nach HAPPE, Chronicon Thuringiae I, f. 215v, soll Schlammersdorf am 24.1. in das Eichsfeld eingefallen sein.
[5] HUSCHKE, Herzog Wilhelm von Weimar, S. 36: 'In dem Ausschreiben vom 27. Januar waren auch Rat und Geistlichkeit mit 3000 bzw. 1000 Rt. Kontribution angesetzt, die sie ‚in Abschlag der alten Reste’ erlegen sollten. Wilhelm beauftragte seine Räte, der Geistlichkeit zu erklären, er habe erfahren, daß sie mit seinen Feinden ‚Korrespondenzen und Machinationen pflege, daher Wir wohl Ursach’ hätten, ein scharfes Einsehen zu haben’. Er wolle jedoch ein Auge zudrücken, wenn sie Kontribution zahle. Die Geistlichkeit zeigte sich von der Anschuldigung des Herzogs äußerst betroffen, beteuerte ihre Unschuld, war aber auf Drängen des Zahlmeisters Evander bereit, wenigstens 300 Rt. zu erlegen'. Der Vorwurf war hier die Konspiration der Geistlichkeit, vor allem von Urban Heun und seinem Vetter Jacobus Heun, aber auch der Jesuiten und Kartäuser, mit Pappenheim. Am 28.10./7.11.1632 wurde nach HAPPE, Chronicon Thuringiae I, fol. 288r, in Erfurt ein Kundschafter mit Briefen Pappenheims festgenommen.
[a]testamentarius = das Testament betreffend, hier: als Testamentsvollstrecker
[b] im Namen der Geistlichkeit
[c] des Verstorbenen
[d] am selben Tag
[e] gänzlich, allein
[f] am selben Tag
[g] Es trug vor
[h] aus gewissen Gründen
[i] bei Strafe der Eintreibung
[j] ebenso
[k] unter der Geistlichkeit
[l] und zurückgerufen


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