Caspar Heinrich Marx (Diarium), f. 10v
[1631.10]

1631
bei der hochheiligen dreyfaltigkeit ahn Eides Stadt mit dieser offenen Schrift, daß wihr wieder Ihre königliche Maiestät undt die Cron Schweden, auch dero Alliirte undt Glaubens Verwante, unß weder mit worten, Anschlegen, Practicen oder wercken, heimlich oder offendtlich, wie es erdacht undt menschen list erfinden mögte, handlen, unß vergreiffen oder einigerlei gestalt feindseelig halten und bezeigen, sondern seiner königlichen Maiestät und mitbeschriebene, so lang dieser krieg wehret, Getreu, Holdt undt Gewertig sein undt hierinnen kein Pabstlich oder einig ander Recht und Privilegium entbinden lassen wollen noch sollen.
Diese Reversales[1] haben auch die andere Ordens-Personen alß Cartheuser undt Augustiner subscribiret, ist den andern Stifts personen noch nichts hiervon angemuetet worden.
Eodem die[a]
Seind Ihre konigliche Maiestät umb die Stadt geritten undt alles besichtiget[2].
Sambstags 4. Octobris / 24. 7bris
|[R.] Magistratus et Cives Regi Sueciæ Juramenta præstant et Reversales exhibent[b]|
Hatt der Magistrat undt hiesige Bürgerschaft gewisse Reversales Ihrer koniglichen Maiestät ausandtworten müssen, darneben auch Ihre Maiestät den Raht undt Bürgerschaft certis modis et punctis[c] in Schutz genommen, haben auch Raht undt Bürgerschaft der Cron Schweden undt Confoederirten huldigen müssen, vide citra[d]
Sontags 5. Octobris / 25. 7bris[3].
Haben Ihre königliche Maiestät in der hohen Lilien Predigen lassen. Seind interim alle Catholische kirchen wegen forcht[4] undt grosser insolentz der Soldaten (: welcher auf der Cavaten, umb die kirch undt auf Sancti Severi kirch[h]of in grosser Anzahl gelegen

[1]Die Reversale ist im Wortlaut mitgeteilt bei ARNOLDI, Nove Collectio Chronicae, 44r-44v.
[2]Nach KRAFFT, Chronik, fol. 64r, besichtigte Gustav II. Adolf die 'Cyriaksburg, die Wälle, das Peterskloster, die Glocke der Stiftskirche und dergleichen'. Der berühmt gewordene Otto von Guericke erhielt nach dem Loskauf aus der Gefangenschaft nach der Vernichtung Magdeburgs durch Tilly und Pappenheim auf Empfehlung Wilhelms von Sachsen-Weimar im Heer Gustavs II. Adolf eine Anstellung als Generalquartiermeister und Ingenieur. Am 23.11.1631 besichtigte er mit Gustav II. Adolf in Erfurt die Stadtbefestigung. Gustav Adolf betraute ihn u.a. mit dem Ausbau der Cyriaksburg. Die Ausführung erfolgte jedoch durch den Erfurter Baumeister Caspar Vogel. Guericke ging nach dem 17.2.1632 zurück nach Magdeburg.
[3]Am 5.10. wurde Wilhelm IV. von Sachsen-Weimar zum Statthalter von Thüringen und Erfurt ernannt. Er sollte für Gustav II. Adolf ein Heer aufstellen, dessen Kosten von den Fürstentümern Weimar, Coburg und Eisenach sowie den Grafschaften Henneberg, Schwarzburg und Stolberg aufzubringen hatten. Die Stadt Erfurt sollte als zentraler Stützpunkt, als 'schwedische Realfestung', für die schwedische Armee ausgebaut werden. Als Statthalter unterstand er damit dem König. Wilhelm IV. versuchte nun, Verbündeter Gustav II. Adolfs zu werden, um wie Wilhelm V. von Hessen-Kassel über seine Eroberungen verfügen zu können.
[4] Furcht
[a] an diesem Tag
[b] Magistrat und Bürger leisten dem König von Schweden die Treueeide und legen die Erklärungen vor.
[c] mit gewissen Modalitäten (Vorausetzungen) und Punkten
[d] siehe oben


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