Caspar Heinrich Marx (Diarium), f. 15r
[1631.12]

1631
concludirte, daß Ihre Fürstliche Durchlaucht supplicando[a] ersuchet, die supplication durch Herrn Nicolaum Ebert, Scholasticum Sancti Severi, |mich | Casparum Henricum Marx, Cantorem [Beatæ] Mariæ [Virginis] , undt Herrn Jacobum Juneman solte exhibiret und umb audientz bei Ihrer Fürstlichen Gnaden angehalten werden; solten auch benandte Personen, wan[n] hinfuer was fuer fiele[1], nomine totius Cleri[b] gehen, tractiren, referiren und aufs beste handlen, wie sie konnen, welchen auch deßwegen schriftliche Volmacht solte zuegestelt werden. [Ebert, Marx und Junemann] Baten zwar, daß es ruemblicher undt formblicher, auch ansehentlicher [wäre], wan[n] der Herr Siegler alß Caput Cleri[c] beneben etlichen Ordens Prælaten solche Commission auf sich nehme, weil aber dieses alewege[2] recusiret, haben sie (auf viel bitten der bedrengten Clerisei) solches zueverrichten auf sich genommen.
Mitwoch 10. Decemb / 30. 9bris
Ist die Supplication von ermeldten Personen in die Fürstliche weimarische Cantzlei (: so in der Grunen Auen auf dem Anger :) eingeliefert, umb gnädigste audientz angehalten; seind den anderen dag wieder beschieden, in deme wegen fuerhabender kriegspræparation[3] Ihre Fürstliche Gnaden occupiret gewesen.
Donnerstag 11. / 1. Decemb.
Nachmahligen fur der Cantzlei angehalten[4]: seind wieder beschieden worden.
|[R.] Schwedische Regirung undt Rath zu Erffurt haben in dem Chur Maintzischen Gerichts Haus daselbst alle acta inventiren, auch zum theil abholen lasen.|
Under dessen, weil der Churfürstliche Maintzische Gerichts Schultheis, Herr Doctor Johan Schöneman, von hinnen sich begeben, hadt die fürstliche Cantzlei wie auch der Raht in den Gerichtshause die Gerichts acta| ... | inventiren,ab theils abholen wie auch die deponirte geld[er] erofnen |lassen|, darvon 1000. daler dem Obrist Schlammersdorf zue neuer werbung zuegestellet worden[5]. |[R.] Dresanus| Bei welchen actibus Herr Doctor Dresanus neben andern meistentheils gewesen: wie ehr die auch selbsten [vorhandenen] Bücher und acta ausandtwordten müssen, welches auch der kuche[n]meister Johan Demer imb Maintzischen Hoef thuen müssen. Wen aber wihr Geistlichen zue etwaß præstirung gezwungen werden, |[R.] Dresanus |seind wihr alle Zeit von Dresano taxiret worden; ex innata eius consuetudine alios jucandi, traducendi et suspiciose rei vis loquendi[d]

[1] vorfiele
[2]ständig
[3] Kriegsvorbereitung. Gemeint sind hier die Züge gegen das Eichsfeld, die Eroberung Heiligenstadts und anderer Orte; den von Gustav II. Adolf geforderten Vorstoß nach Franken hatte Wilhelm IV. daher zunächst aufgeschoben.
[4] bei der Kanzlei um Bescheid ersucht
[5] An neugeworbenen Truppen verfügte Wilhelm IV. über 3.000 Mann zu Fuß und 300 Berittene. Die schwedischen Regimenter waren auf 2.000 Infanteristen und 300 Kavalleristen verstärkt worden. Die weimarischen Ausschusssoldaten sollen 1.000, der Henneberger Ausschuss soll 600 Mann umfasst haben. Die städtischen Soldaten in Erfurt beliefen sich auf immerhin 2.000 Mann. Für weitere 3.650 Mann waren Werbepatente ausgegeben worden, so dass Wilhelm IV. jeden verfügbaren Reichstaler bzw. Gulden beitreiben musste, die Auszahlung eines Monatssoldes war angesichts der aufzubringenden Werbegelder schon nicht mehr möglich.
[a] auf dem Bittweg
[b] im Namen des gesamten Klerus
[c] Haupt, Vorsteher des Klerus
[d] aus der ihm angeborenen Gewohnheit, andere zu verurteilen, öffentlich zu verhöhnen und eine Angelegenheit kraft seiner Rede verdächtig erscheinen zu lassen.


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