Caspar Heinrich Marx (Diarium), f. 49v
[1632.12]

1632.
Decemb.
Eodem die[a]
Herr Jacob Juneman (auf guetdencken Herrn Cantoris [Beatæ] Mariæ [Virginis], Herrn Georg Wilt und Glebens. Item[b] Scholastici Sancti Severi) gebeten zumb Herrn Residenten abgefertiget, qui (1.) ora uti heri et hodie gesta referret[c] (2.) bethe nomine Cleri[d] weil hoc modo[e] und durch abnemmung der Register dem Clero Media sustentationis[f] entnommen, Clerus auch ex eo statu[g], in welchem Ihre Maiestät selbigen gnädigst zue lassen versprochen, gesetzt, darmit Ihre Excellenz, der Herr Resident als protector nomine Regii Maiestati[h] sich Cleri annehmen undt waß sie sich zue verhalten grosgunstigenAndeuten| befehl |, wie auch nochmahligen wieder gewalt, eintrag undt tätlich[k]eiten | fuernemblichen||quoad Exercitium Religionis |defendiren wöllen[i]. Undt obs Ihrer Excellenz nicht zue entgegen, daß Clerus seine beschwernis bei den Herrn Reichs Cantzler Ochsen Stirnen (welcher anietzo hier[1] ) suche. Und wolten die Stifter [ St. Beatae Mariae Virginis, St. Severi] ohne des Herrn Residentis wissen gantz nichts fuernehmen: kam Jacobus[Junemann] diesen dag nicht zur audientz.
Sabbatho. 11. / 1. xbris
Bericht Herr Jacob Juneman, daß auf sein heutiges dages gethanes suchen nomine Cleri[j] der Herr Resident ( in beisein Herrn Doctoris Bruckneri) zur andtwort geben, es solte sich die Clerisei ein bahr dag gedulden, solte alß dan ein solche gestalt ratione sustentationis[k] getroffen werden, das[s] Clerus würde zuefrieden sein, wehren auch die vorgangne actus keines weges Clerum zue depossessioniren angesehen, sondern solte Clerus in statu a Regia Majestate promisso defendiret[2][l], auch werden, auch dem Exercitio kein eindrag geschehen[3]. Haec retulit Jacobus Juneman in meis ædibus audientibus[m] Andrea[e] Socio et Joanne Speerschneiter.
NB[n] Hat Clerus den |Schwedischen | Reichs Cantzler Ochsenstern suppliciren wollen. Sed a bono amico dissuasus [est]: eo quod Cancellarius male affectus erga Catholicos maxime Ecclesiasticos et Religiosos[o].
Sontag 12 /2 Decemb.
Ist Cleri Supplicatio an Herrn Reichs Cantzlern noch abgangen.

[1] Oxenstierna hielt sich vom 10. bis 15.12. in Erfurt auf. Der Reichskanzler befahl Erskein auf Grund des sogenannten Nördlinger Dekrets, der Stadt Erfurt alle kurmainzischen Rechte und katholischen Besitztümer als vollständigen Besitz zu übertragen, was natürlich zur (möglicherweise gewollten ?) Verstimmung mit Wilhelm IV. führen musste, da Gustav II. Adolf dem Herzog selbst wiederholt Hoffnung auf diese Güter gemacht hatte.
[2]Das war natürlich ein bewusstes Täuschungsmanöver.
[3] ungehindert erfolgen
[a] an diesem Tag
[b] ebenso
[c]der in der Stunde wie gestern und heute die Handlungen vorträgt
[d] im Namen der Geistlichkeit
[e] auf diese Weise
[f] der Geistlichkeit die Unterhaltsmittel
[g] aus dieser Lage, diesem Zustand
[h] als Schutzherr im Namen Seiner Königlichen Majestät
[i]was die Ausübung der Religion betrifft, verteidigen wollen
[j] Ansuchen, Ersuchen im Namen der Geistlichkeit
[k] Entschluss zur Unterhaltung (der Geistlichen)
[l] in seinem Besitzstand gemäß dem königlichen Versprechen geschützt, verteidigt.
[m] dies hat Jacob Junemann in meiner Wohnung den Zuhörern mitgeteilt.
[n] wohlgemerkt, übrigens
[o]ist aber von einem guten Freund überzeugt (überredet) worden: deshalb, weil der Reichskanzler den Katholischen, am meisten den Dienern der Kirche und Ordensbrüdern, schlecht (übel) gesonnen sei.


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