Caspar Heinrich Marx (Diarium), f. 83r
[1633.10]

1633.
October.
Dienstag 25. / 15. octob.
Kamen die Schwedische Reichs Räthe[1], beneben den Chur Brandenburgischen Cantzler,[2] in hiesige Stadt. Der Cantzler ward bei Herrn Henrich Hungern einquartiret.
Mitwoch 26. /16. octob.
Visitirten die Schwedische Reichs Räthe| beneben den Herrn Residenten| Unser Lieben Frauen Stiftskirchen undt under anderen auch reliquias Sanctorum[a] Adelarii et Eobani Undt da informiret waren worden, Alß wan[n] integra Corpora[b] da wehren, brach einer aus den officirern einen Zehen ab, befand, daß selbiger höltzern[3], gab also Ursach zur underschiedenen apprehensionibus, judiciis et discursibus[c]
Freidag 28. /18. octob.
dieweil es unterschiedliche discurs[d] gab wegen der reliquien Sancti Adelarii et Eobani, alß haben wir Stifts Personen selbige lustruret undt befunden wie folget.
Kurtzer bericht
[fehlt]

[1] Bengt Bengtsson Oxenstierna war im November 1632 zusammen mit Wilhelm IV. in Bad Langensalza erschienen. Möglicherweise war der zweite Reichsrat Ture Gabrielsson Oxenstierna. Vgl. HAPPE, Chronicon Thuringiae I, fol. 12r. Am 25.10. a. St. waren Ture Gabriel (Bruder A. Oxenstiernas) und Johan Oxenstierna (Sohn A. Oxenstiernas) in Mühlhausen zusammengetroffen. Zumindest war Ture Oxenstierna in dieser Zeit in der Grafschaft Schwarzburg-Sondershausen einquartiert; HAPPE, Chronicon Thuringiae I, fol. 12r - 12v.
[2]Am 25.10.1633 hatte der kurbrandenburgische Kanzler Sigismund von Götze, der auf der Reise nach Berlin war, eine Audienz bei Wilhelm IV. von Sachsen-Weimar gehabt und ihn über die Lage Brandenburgs unterrichtet. Wilhelm IV. hatte Kurfürst Georg Wilhelm, der auf der Seite Schwedens stand, durch Götze die Zusage seiner Unterstützung geben lassen.
[3] MEDICK, Orte und Praktiken religiöser Gewalt, S. 368f.
[a] Überreste der Heiligen
[b] unversehrte, erhaltene Körper
[c] Vermutungen (Annahmen), Urteile und Reden
[d]hier: Gerede


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