Caspar Heinrich Marx (Diarium), f. 87v
[1634.03-1634.05]

1634
Martius et Aprilis.
Donnerstag 16. / 6. Martii.
Seindt in Unser Lieben Frauen Stifts kirchen Vier Doctores Theologiæ Augustanæ Confessionis promoviret worden;[1] ist differentz[2] gewesen in der Universität, deswegen Rector undt andere den actus nicht beigewohnet: seind auch den Rectori die sceptra durch Soldaten Zwang aus den haus zue diesen actui geholet worden, hat Vice Cancellarii Person verdreten[3] Herr Doctor Hieronymus Bruckner Consul.
Sambstag 25. / 15. Martii.
Seindt Ihre Excellenz, der Herr Reichs Cantzler Ochsenstirn, alhero kommen undt von hier auf Franckfurt gereist.[4]
Sontag 26. / 16. Martii
Zue mittag umb zwolf Uhr seindt auf allen wahlen der Cyriacs Burg undt Petersberge grobe stucklos zweimahl losgebrandt worden[5].
Montag 24. / 14. Aprilis.
Ist der Predig[t]stuel Sancti Severi fortgesetzt worden.
Dienstag 25. / 15. Aprilis.
Seind Chur-Sachsische Gesandten hierdurch naher Franckfurt amb Main gezogen.
Freidag 28. / 18. April.
Als ich vernommen, daß der schöne Pfar Altar Sancti Severi solte abgebrochen werden, habe ich darfuer beimb Herrn Doctore Thiel, beimb Raht undt bei Herrn Doctore Groshain gebeten, nicht impetriren können.
Montag 1. Maii / 21. April.
Ist der schöne Pfar Altar in Sancti Severi Stiftskirchen abgebrochen worden, welcher Anno[6] gesetzt worden.

[1] Magister Georg Großhain, Magister Zehner, Magister Nikolaus Zapf, der Professor in Erfurt wurde, Magister Bartholomäus Elsner, gleichfalls Professor der Theologie. Magister Zacharias Hogel hatte wegen seines Alters auf die Promotion verzichtet. MOTSCHMANN, Erfordia literata, Andere Samlung, Sect. I, S. 208; KLEINEIDAM, Universitatis Studii Erffordensis IV, S. 3f.
[2]Meinungsverschiedenheit, Auseinandersetzung. Am 5.3.1634 war die 'Formula concordia' festgelegt worden, im § 1 war der evangelische Charakter der Universität festgeschrieben worden. KLEINEIDAM, Universitatis Studii Erffordensis IV, S. 2f.
[3] vgl. Oxenstiernas Vollmacht für Brückner vom 11.1.1634; MOTSCHMANN, Erfordia literata, Andere Samlung, Sect. I, 204ff.
[4]Nach der Erfurdtischen Chronica Anno Domini 388-1637 (Stadtarchiv Erfurt 5/2100), fol. 649f., war Oxenstierna zunächst nach Halle gereist. Johann Georg I. von Sachsen, der Oxenstierna einen 'Plackscheißer' (Schreiberseele) genannt hatte, entschloss sich zwar, Gesandte zum Frankfurter Konvent zu schicken, hatte aber gegen Oxenstiernas Direktorium des Heilbronner Bundes opponiert, da dies gegen die Reichsabschiede verstoße. Am 24.3./ 3.4. war Oxenstierna in Frankfurt eingetroffen.
[5] HAPPE, Chronicon Thuringiae I, fol. 304r.
[6]Bei Marx fehlt die Jahresangabe, bei ARNOLDI, Nove Collectio Chronicae, 74v, ist der Vorgang zeitlich präzisiert: '5. & 6. Maÿ ao 1634. iussu Senatus demolitum est altare parochiale ecclesiæ Collegiatæ S. Severi post 144. annos à sua fundatione conservatione”.


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