Caspar Heinrich Marx (Diarium), f. 97v
[1635.09]

1635.
7ber
stadt wegen restitution Stifter [ St. Beatae Mariae Virginis, St. Severi], Register etc., erlangte an beeden öhrten gute resolution undt Verdrostung; der Sachsische Commissarius riedt |an|, wihr s Clerus solle es schriftlich bei ihme suchen. Der Bürgermeister verhies, wolte es andern dages bei andern Senatoribusged optimo modo[a] gedencken.
Dienstag 4. 7bris.
Ist nomine beeder Capitul[b] Beatæ Mariæ Virginis et Sancti Severi den Herrn Oberaufseher aus der Grafschaft Henneberg[1]| Herrn Ludwig Ernst Marschall|alß Churfürstlich Sachsischem Commissario eine supplication ubergeben worden wegen restitution der Stifter [ St. Beatae Mariae Virginis, St. Severi], heuser, Register, documenten, Reverses undt darmit die augsburgische Confessions Predigten aus den Stiftern [ St. Beatae Mariae Virginis, St. Severi] transferiret[2] werden mögen.
NB.[c] dieses schreiben hat der Herr Oberaufseher Einem Ehrenfesten Raht zuegeschickt.
Freidag. 7. 7bris.
Nochmahligen ein schreiben abgehen lassen an die Werthern’scheRähte Beambten zue Beichlingen wegen restitution deß dorfs Monra.
Sontag. 30. Augusti / 9. 7bris.
Ist in hiesigen Lutherischen Pfaren der angenommene friede publiciret worden: wardt unß Catholischen nichts angedeutet.
NB.[d] in der publication wahren etliche Clausulen in fine[e] welche den friedenspuncten nicht gemäß, alß daß [...] Predigen in Stiftern [ St. Beatae Mariae Virginis, St. Severi] etc., derowegen von unß Stiftspersonen deliberiret wardt.
Montag 31. Augusti / 10. 7bris
Lies der Churfürstlich Sachsische Commissarius Herr Ludwig Ernst Marschall p., beneben E wie auch Ein Ehrenfester Raht dem Herrn Siegler durch Herrn Joan Dossern, Stadschreibern, andeuten, wie verwichenen Sondag der fried in Augsburgischen Confessions kirchen publiciret, Ein Ehrenfester Raht aber unß Catholischen in hoc passu[f] nichst fuer schreiben wolle, liese aber so wohl der Herr Sachsische Commissarius alß auch Ein Ehrenfester Raht erinnern, darmidt die Anordnung gemacht werden möge, daß auch von unß Catholischen zuegleich solches dancksagung fest kunftigen Sontag mögte gehaldten werden.

[1]Die Grafschaft Henneberg wurde nach dem Tod des letzten Grafen (1583) auf Grund der Erbverbrüderung von 1554 von den beiden wettinischen Linien verwaltet. Die Grafschaft gehörte 1631 zu den von den Truppendurchzügen und Einquartierungen am schlimmsten betroffenen Territorien. An das Aufbringen der Kontribution nach Erfurt war kaum zu denken, das Rentamt in Schleusingen verfügte über keine Mittel. Die Landstände wurden bewogen, innerhalb der nächsten zwei Monate 2.500 Rt. aufbringen zu wollen. Ein weiterer schwerer Schlag wurde nach dem Bericht des kursächsischen Oberaufsehers Marschalk der Grafschaft im Okober 1634 durch den Einbruch der Truppen Piccolominis versetzt. Vgl. HEIM, Leiden der Grafschaft Henneberg; KÖBLER, Historisches Lexikon der deutschen Länder, S. 247f.
[2]hier: hinausschaffen
[a] in zweckmäßigster Form
[b] im Namen beider Domkapitel
[c] wohlgemerkt, übrigens
[d] wohlgemerkt, übrigens
[e] Vorbehalte am Ende
[f] bei diesem Schritt


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