Caspar Heinrich Marx (Diarium), f. 88v
[1634.06]

1634.
Junius
Gab Herr Doctor Bruckener zur Andtwort; waß geschehen, wehre auf begehren des Schwedischen Commendanten geschehen, welcher Herrn Magister Lotz mit Soldaten aus seinen Losament hette wollen holen lassen, so hatte es Ein Ehrenfester Raht Vermittelt, Herrn Magister Lotz aufs Rahthaus bitten undt in ein ehrliche stueben[1], do ehr frei undt iedweder zue ihme gehen dorffen, weisen lassen. Müste die sach beim Herrn Commendanten gesucht werden: Erinnert auch Herr Doctor Brueckner, wie unter den Catholischen [welche] wehren, welche underschiedliche Nova[a] spargirten undt dardurch Ursach zue ohngemach gaben, daß hirnach die schuldige mit den Unschuldigen endgelden muste.
Andtwortet ich, Ein Ehrenfester Raht wehre Aller mechtig, könte also den schuldigen zuereden, darmit der Unschuldig[e] sicher sein mögte; so wuste ich so viel, daß die Catholischen dermaßen erschopft undt depauperiret, daß sie mit ihrer Armuet genugsamb zueschaffen undt also die Zeitung vergessen.
Donnerstag 22. / 12. Junii.
Wardt Herr Georg Lasphius, Vicarius Sancti Severi, aufn Rahthaus in arrest gelegt, welcher Matrimonio duorum assistiret[b] da doch (1) der man noch ein weib beim leben [hatte]. 2) Ehr, Herr Lasphe, ein parochus[war]. 3). Privatim[c] alles ohne denunciationes requisites[d] verrichtet und 4) falsas lit[t]eras et testimonia[e] alß wan sie von einen andern parocho zuesammen geben weren, ertheilt.
Solte deswegen von hinnen relegirt werden, weil ehr Lutherisch geworden, bleibt ehr hier[2].
Freidag 23. / 13. Junii.
Wardt mihr privatim[f] durch einen gueten freundt angezeiget, wie daß alle Sontag umb 6. Uhr die fruepredigt imb Stift [Sancti] Severi more Augustanæ Confessionis[g] solte verrichtet werden.
Sontag Sambstag 24. / 14. Junii.
Beredete mich mit den fuernembsten parochianis Sancti Severi undt ubergab hierauf eine Supplication an Einen Ehrenfesten Raht mit bitt, weil Ein Ehrenfester Raht unß sicherheit Exercitii versprochen, daß solches durch die Lutherische fruepredigt imb Stift Severi nich[t] mögte turbiret werden.

[1]Im Gegensatz zur 'Schwarzen Stube', die als Gefängnis diente
[2]vgl. 'Bedencken', fol. 4v, 5r; SCHAUERTE, Gustav Adolf und die Katholiken, S. 71f.
[a]Neuigkeiten
[b] einer 2. Ehe beigestanden hatte. Die evangelische Kirche hielt zwar auch nach der Reformation an der Unauflösbarkeit der Ehe fest, bei schwerwiegenden Gründen erlaubte sie die Scheidung mit dem Recht zur Wiederverheiratung nach Matth. 5, v. 31 und 32, 19, v. 3-9, 1. Kor. 7, v. 15.
[c] nichtöffentlich, im kleinen Kreis
[d] verlangte förmliche Ankündigungen (Aufgebot)
[e] gefälschte Briefe und Zeugnisse
[f] nichtöffentlich, im kleinen Kreis
[g] nach Art des Augsburger Bekenntnisses


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