Hans Krafft, f. 186v
[1637.05]

Anno 1637 den 7. Mai auf [den Sonntag] Cantate in der Nacht so hat sich, da der liebe Gott Kinder und Eltern gnädig behüte, vor einem solchen schrecklichen Fall [zugetragen]. Es war ein feiner, ehrlicher, alter Mann, ein Ratsherr mit Namen Baniß Ziegeler, und war ein Witwer. Der hatte zwei Söhne und zwei Töchter. Die Söhne haben sich nie miteinander vertragen können. Wie auch auf eine Zeit, so fallen sie zusammen und schlagen sich. Einer ist lahm, der fällt auf den anderen, beißt ihm seine Nase ab.[1] So hat der andere, dem die Nase ist abgebissen [worden], geschworen, er wolle dieser und jener sein, er wolle ihn erschießen. Nun, so hat der liebe, ehrliche Vater sein väterliches Herz gegen seine lieben Söhne sehen lassen, tut sie voneinander trennen, behält den ohne Nase im Haus an der Kost, dem anderen schickt er die Kost und hat sie zum Öfteren, auch durch sonst ehrliche Leute [zu] versöhnen [gesucht], und wegen vieles Anhaltens so sind sie verglichen [worden], gestalt und also, nach der Vater mit Tod würde abgehen, so solle zuvor



[1] Das Abbeißen der Nase lässt natürlich später den Verdacht einer unehrenhaften Verstümmelungsstrafe aufkommen, was zu der entsprechenden Drohung, er wolle ihn erschießen, führte.


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