Hans Krafft, f. 96v
[1525.00]

[Wieder von Kraffts Hand:] Anno 1525. In diesem Jahr ist der Bauernaufruhr gewesen in Deutschland. Und hat zu demselbigen Ursache gegeben in der Landschaft Thüringen Thomas Müntzer, ein aufrührerischer und ehrgeiziger Mensch, welcher sich zu Allstedtaufgehalten,[1] allen von der Freiheit gepredigt und alle Untertanen gleich, also vogelfrei macht und von ihrer weltlichen Oberkeit Gehorsam und Pflicht los und ledig zählen wolle, wie solches seine Predigten aus[sagen]. Kamen das Volk von Eisleben, Mansfeld, Sangerhausen, Frankenhausen, Querfurt, Halle, Aschersleben und allen Orten, häufig über vier Meilen nach Allstedt, diesen Prediger zu hören. Als aber der Kurfürst von Sachsen merkt, womit er schwanger ging, hat er auf seinen Befehl den Stab müssen fürder setzen und gemelten Ort räumen. [Bl. 97 und 98 unbeschrieben]


[1] 1623 bis 1624 war Müntzer Pastor an der Johanniskirche in Allstedt, wo er auch am 13. Juli 1524 die sogenannte Allststedter Fürstenpredigt vor dem Sohn Georgs des Bärtigen, Johann und dessen Sohn Johann Friedrich hielt. Als er die Fürsten ermahnte, der Reformation in seinem Sinne zu folgen und die sozialen Missstände anprangerte, verlor er seine Stellung.


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