Caspar Heinrich Marx (Diarium), f. 9r
[1631.09;1631.10]

1631.
Dienstag den 30. / 20. 7bris.
Kam ein Generalquartiermeister und zeuget[1] nachmahligen ahn, daß Ihre Maiestät auf hiesigen ohrt mit ihrem Volck im anzug, neu[2] muste Quartier geben. Der Magistrat bemühet sich durch Gesanten die Quartier abzuewenden[3] , hat aber nicht sein wollen.
Eodem die.[a]
Alß die Maintzischen Beambte undt Rathe, wie auch die Geistlichkeit hiesiges ohrtes vernommen, daß Ein Ehrenfester Raht die Quartier nicht könte abwenden, sondern daß Ihre Maiestät, der konig aus Schweden, gewis in hiesige Stadt kommen würde undt Ein Ehrenfester Raht ietzo imb Tractat und Accord mit Ihrer Maiestät stunden, ist der Maintzische Voigt, Herr Johan Bötner, beneben dem Gerichtschreiber Herrn Joanni Jagenern in die hohe Lilien zue den da Versambleten Bürgermeistern geschickt worden, undt be mit begehren, darmit die Maintzischen Beambten undt Geistlicheit auch in den Accord eingeschlossen werden mögen[4], undt dofern einer oder der andern von hinnen sich begeben wolte, darmit ehr ein Paszedel[für] sich bekommen moge.
|[R.] Maintzische Ministri zu Erffurt haben beim Rath daselbst begehren lassen, damit sie und der Clerus auch in den mit der Königlichen Majestät zu Schweden vorhabenden Accord mit eingeschlossen würden. |
Mitwochen den 1. Octobris / 21. 7bris.
Wardt vernommen, daß der Accord mit Ihrer Maiestät undt der Stadt geschlossen; Ihre Maiestät wolte zwar die gantze Bürgerschaft ohne underschiedt der Religion in Schutz nehmen, die Geistlicheit aber undt Maintzische Beambten (: [in]so[fern sie] nicht bürger [waren] :) solten aus diesen Accord ausgeschlossen undt specialiter[b] in Ankunft Ihrer Maiestät mit ihnen gehandlet werden.
Eodem die.[c]
Wardt eine grosse insolentz von Soldaten undt Inwohnern imb Stift Beatæ Mariæ Virginis[verübt], daß auch die Geistlichen kaumb sicher vomb Altar kommen könten[5] : under andern wahr Herr Valentinus Schlotheuer fast in lebensgefahr, welcher sich mit 2. Reichstl. retten solte.

[1] zeigt
[2] aufs Neue, erneut
[3] Die Ratsabgeordneten hatten Gustav II. Adolf am 20./30.9.1631 in Leubingen (Kr. Eckartsberga/Sömmerda) aufgesucht und ihn vergeblich gebeten, keine schwedische Garnison nach Erfurt zu legen und der Stadt Neutralität zu gewähren. SCHAUERTE, Gustav Adolf und die Katholiken, S. 7.
[4] Der Anteil der katholischen Bevölkerung Erfurts betrug um 1600 5 %; BAUER, Erfurter Ratsherren, S. 18. Das wären ca. 950 Bürger/innen bei ca. 19.000 Einwohnern (um 1620).
[5] Nach SCHAUERTE, Gustav Adolf und die Katholiken, S. 8, waren schwedische bzw. weimarische Soldaten in die Domkirche eingedrungen und hatten dort den Vikar Valentin Schlotheuer misshandelt.
[a] an diesem Tag
[b] gesondert, besonders
[c] an diesem Tag


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